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Heißes Eisen  

Beängstigend: 26 Prozent der Chefredakteure von Tageszeitungen und aktuellen Magazinen meinen, dass „thematisch heiße Eisen gar nicht erst angepackt werden.” Noch beängstigender: stern und Gruner + Jahr freuen sich darüber. Sie haben die Chefjournalisten befragt und schreiben in ihrer Pressemitteilung, dass „Unabhängigkeit der Presse nach Meinung der Befragten weitgehend unberührt geblieben ist” von der schlechten wirtschaftlichen Lage und der rückläufigen Entwicklung im Anzeigengeschäft. Denn schließlich verneinten doch fast drei Viertel der Befragten das Heiße-Eisen-Statement. Wann ist denn die Unabhängigkeit berührt? Wenn mehr als 50 Prozent der Chefredakteure heikle Themen aus Angst aus ihren Blättern streichen?

Da sehen die Autoren der Studie offenbar die Grenze. Denn sie freuen sich weiter: „Auch die Einschätzung, viele Redaktionen formulierten aus Sorge vor wirtschaftlichen Konsequenzen vorsichtiger, lehnt die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) ab.” Das heißt aber doch, dass 45 Prozent (!!!) dies nicht verneinten. Erschütternd. Erschütternd gerade auch für uns als PR-Leute, denn die Unabhängigkeit der Redaktionen muss uns heilig sein. Wir leben von ihr.

stern und Gruner + Jahr haben die Journalisten anlässlich der Verleihung des Henri Nannen-Preises befragt. Der Preis würdigt journalistische Bestleistungen und erinnert an das Schaffen des stern-Gründers Nannen. Ich bin ganz sicher: Nannen hätte das Ergebnis der Studie anders gelesen. Er hätte sich nicht gefreut.

Stephan Hoursch

 

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